Phänomen Facebook und dessen dunkle Seite

Am Montag zeigt das Erste passend zum Börsengang des weltweit größten sozialen Netzwerkes „Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft“ von Svea Eckert und Anika Giese. Die NDR-Dokumentation, die in Kooperation mit der BBC entstanden ist, feierte aber zunächst am vergangenen Mittwoch im Abaton Kino in Hamburg mit den anwesenden Machern Premiere. Bei dem 45-minütigen Film hatten die beiden Regisseurinnen die Idee, „das Phänomen darzustellen“ und wollten zu einem „bewussteren Umgang mit Facebook“ anregen, so Eckert und Giese bei der anschließenden Diskussion. Dennoch nutzten die Journalistinnen auch das soziale Netzwerk, das sie sich als „Venusfliegenfalle“ vorgestellt haben,  während der Entstehung und füllten ihre Facebook-Fanpage seit September mit Infos zum Recherchestand.

Die Doku hat sich auf das Geschäftsmodell von Facebook konzentriert und dabei bewusst zunächst (laut der beiden Regisseurinnen) gesellschaftliche Aspekte wie Cyber-Mobbing etc. ausgeklammert. „Zentral ist dabei die Frage, wie Facebook sein Geld verdient und was im Hintergrund mit den Nutzerdaten geschieht“, schreiben sie auf ihrer Seite. Diese Frage stellen sich auch die beiden Protagonisten Thomas (35 Jahre) und die 17-jährige Franciska, die Social Media fast ständig nutzen. Beide darf der Zuschauer begleiten wie sie Dinge vom realen Leben ins virtuelle übertragen und andersherum. Das ist nicht so interessant, viel mehr dafür die Aussagen von Thomas, der sich immer wieder selbst korrigiert: „Ich bin eine Ware und ich tausche Dinge … Aber bin ich eine Ware? Nein, ich bin ein Mensch, der Daten zur Verfügung stellt.“


Wie verdient Facebook sein Geld und was passiert mit den Daten?

Aber zurück zur zentralen Frage des Films: „Facebook gehört zu den aggressivsten Datensammlern unserer Zeit“, heißt es im Film. Die Statements dazu liefern unter anderem der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert, Achim Himmelreich (Analyst), der Marketingstratege Curt Simon Harlinghausen, Thorsten Holz (Prof. für IT-Sicherheit von der Ruhr-Universität Bochum), Medienpsychologin Sabine Trepte und Marc Zuckerberg himself. Die Interviews mit dem Facebook-Gründer und der leitenden Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, für die Charles Miller (BBC) größtenteils verantwortlich war, sind zwar wenig kritisch, aber wegen ihrer Seltenheit ein Highlight des Films. Es sei schwer gewesen, ein Interview zu bekommen, was aber nicht an mangelnder Transparenz des Konzerns liegen würde, sondern daran, dass Zuckerberg sehr beschäftigt sei und man in der Zentrale in Palo Alto eher kurzfristig plane, erzählte Miller am Premierenabend von der Begegnung mit dem 27-Jährigen.

Dass es schwer ist, ein Interview mit Vertretern von Facebook zu bekommen, war wohl von vornherein klar. Beide Journalistinnen haben es auch nach der etwa 5-monatigen Recherche nicht geschafft, einen Vertreter der Deutschlandzentrale zu interviewen. Das ist schade, denn diese Seite der Geschichte bleibt im Dunkeln, tut aber dem Film im Ganzen keinen Abbruch. Mal davon abgesehen ist die Doku eine gelungene Sache. Sie ist inhaltlich mit vielen unterschiedlichen Expertenmeinungen gefüllt, was dem Film eine breite Vielfalt gibt. Schade ist, dass bei 45 Minuten an mancher Stelle, z.B. die technischen und juristischen Rahmenbedingungen der Datenschutzbestimmungen und -verletzungen, nicht tief genug gebohrt werden konnte, aber den Zuschauer muss man wohl in der Mitte abholen. Darüber hinaus ist der Film optisch und akustisch toll aufbereitet: Die Tilt-Shift Einstellungen und der eigens komponierte Titelsong („I like“) runden die Doku ab. Absolut „Like“-able.

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