Studie „Sharing in sozialen Medien“: Aktive Nutzer als Freizeit-Journalisten

Warum und mit welchen Überlegungen Aktive im Web 2.0 Inhalte teilen, haben Axel Maireder und Julian Ausserhofer in der qualitativen Studie „Sharing in sozialen Medien“ untersucht. Was die beiden Kommunikationswissenschaftler an der Uni Wien herausgefunden haben, klingt oft nach einem journalistischen Vorgehen. So würden die Befragten routiniert und nach bestimmten Faktoren Dinge teilen, die aktuell besonders interessant und reizvoll für die eigene Leserschaft sind.

Zwar würden die Social Media-Nutzer Inhalte spontan (über die sie „gestolpert“ sind) weiterleiten, dennoch hätten sie dafür Routinen und Faktoren entwickelt. Artikel, Videos und Fotos würden nach dem eigenen Interesse und denen des Publikums sowie dementsprechend, was gerade auf der Agenda der Medien und im Web 2.0 steht, „geteilt“. Die Inhalte würden, wenn notwendig, kommentiert, bewertet oder in einen Kontext eingeordnet.

Die befragten Viel-Nutzer bzw. Viel-„Sharer“ machen sich laut Maireder und Ausserhofer ein Bild ihrer Leserschaft, obwohl sie das gesamte Publikum durch die unbegrenzten Verbreitungsmöglichkeiten der Inhalte kaum erfassen können. In der Einschätzung ihres Publikums würden sich die Nutzer nach ihren eigenen Interessen richten: „Nutzer haben Annahmen über das kollektive, geteilte Wissen ihres Publikums und richten sich danach“, so die beiden Forscher. Für ihre Leser suchen und teilen sie Inhalte, die neu und „aktuell reizvoll“ sind. Das Ziel sei dabei, „neue Meinungen und Perspektiven in Diskurse einzubringen, auf Randthemen aufmerksam zu machen und Interaktionen anzustoßen“.

Die geteilten Inhalte der Nutzer prägen das eigene Profil und dienen somit auch der Selbstdarstellung. Maireder und Ausserhofer stellten fest, dass der Aufbau und die Pflege einer „authentischen Onlineidentität“ ein wesentlicher Grund dafür sei, Inhalte zu teilen. So würden die User häufig einen Kontext zu sich selbst und den geteilten Inhalten herstellen. Auf der anderen Seite würden sie Inhalte vermeiden, „die die Identitätskonstruktion, an der sie arbeiten, fragwürdig erscheinen lassen“.

Wie viel professioneller Journalismus steckt in Social Media-Nutzern? Selektion und Aufbereitung der Inhalte, Rückkopplung mit dem Publikum und Aufbau einer Marke und Identität… Unter anderem diese Frage soll einer der Urheber der Studie beantworten. Nächste Woche spricht Netzwerkjournalist mit Axel Maireder über die Ergebnisse und deren Bedeutung.

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  1. […] Überlegungen teilen Social Media-Nutzer Medieninhalte? Dieser Frage ist Axel Maireder in der Studie „Sharing in sozialen Medien“ nachgegangen. Der Assistent am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Uni […]



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