„Manchmal fällt man auch auf die Schnauze. Aber das gehört dazu.“

Pascal Faltermann ist Redakteur bei der Kreiszeitung. Nach seinem Volontariat von 2007 bis 2009 blieb der studierte Journalist der Regionalzeitung in und um Bremen treu und fing an, sich mehr mit dem Web 2.0 zu beschäftigen. Sein Engagement hat sich ausgezahlt: Nun soll der 31-Jährige als dritter Online-Redakteur bei der Kreiszeitung in Sachen Social Media „frischen Wind reinbringen“.  Was er sich dazu überlegt hat, wie er bisher Social Media eingesetzt hat und warum er zurzeit privat kein Blog schreibt, sagt er im Interview mit Netzwerkjournalist.

Pascal, Glückwunsch zur neuen Stelle. Das wusste ich vor dem Interview gar nicht.
Das steht auch erst seit einer Woche fest.

Welche Aufgaben wirst du in Zukunft übernehmen?
Ich gehöre der Online-Redaktion an und darf da frischen Wind reinbringen. Ich habe dazu ein Konzept geschrieben: Mehr Live-Berichterstattung, Interviews über Twitter führen oder Umfragen bei Facebook starten. Natürlich bin ich dann auch für Social Media-Accounts zuständig, ich arbeite  aber auch wie ein ganz normaler Journalist. Vom Recherchieren bis zum Texteschreiben.

Du hast dein Konzept erwähnt. Welche Ideen – wenn du sie verraten darfst – hast du für die Kreiszeitung?
Das Konzept habe ich gerade erst vor etwa zwei Wochen abgeschickt. Ich habe mich dafür mit Leuten aus der Werbung unterhalten, mit Leuten, die Homepages betreuen oder Online-Magazine gestalten. Dann habe ich aufgeschrieben, was alles an unserer Homepage nicht so gut gemacht ist und was man verbessern sollte: Nutzerführung, unsere Verlinkungen, unsere eigenen Videos, die man nicht einbinden kann und unsere App, die langsam und nicht aktuell ist. Ich habe Ziele formuliert, wie man quantitativ mehr Reichweite, mehr Unique Visitors, mehr Likes und mehr Followers auf Facebook und Twitter erreichen kann. Dann habe ich qualitativ ausgeführt, wie man online Inhalte generieren kann.

Zum Beispiel?
Z. B. bei der Live-Berichterstattung: nicht nur einen Ticker für Werder Bremen anbieten, sondern auch mal einen Live-Ticker für den Castor-Transport. Oder hier in Bremen, gerade war ja die Berichterstattung über die Frühchen. Man könnte bei solchen Pressekonferenzen einen Live-Ticker machen oder von dort aus twittern.

Wie kommt das in der Redaktion bzw. beim Chefredakteur an?
Gelesen haben das bisher der Chefredakteur, Hans Willms, und der Geschäftsführer. Sie waren recht begeistert davon, aber nicht alles ist umsetzbar. Bei der Kreiszeitung haben wir die Schwierigkeit, dass die Internetseite in München über den IppenVerlag gemacht wird. Die Seitenstruktur ist festgelegt und daher kann  nicht jeder Redakteur diese über den Haufen werfen. Aber eine Facebook-Gruppe oder einen Twitter-Account anlegen und das Logo hochladen, das bekommt doch jeder hin.

Was würdest du beispielsweise an der Seite sofort ändern?
Wir haben auf unserer Seite den Reiter „Community“, in dem wir unter anderem unsere Blogs auflisten. Das ist meiner Meinung nach eine Katastrophe: Die sind weder ansprechend noch leserfreundlich. Das ist unübersichtlich, so dass man die Autoren nicht finden kann. Es ist auch nicht nach Themen sortiert. Ich hätte schon die Idee, dass man 20 feste Blogger hat. Wie etwa bei der Rhein-Zeitung.

Wie nehmen deine Kollegen in der Redaktion die Vorschläge auf?
Hier in meiner Redaktion kommt es bei manchen gut an. Das sind diejenigen, die auch ihre eigenen Facebook-Accounts nutzen, um damit zu arbeiten, zu recherchieren und Leute zu erreichen. Die Kreiszeitung ist aber sehr zerstückelt, d.h. wir haben ganz viele Lokalredaktionen. Ich glaube, wenn wir versuchen würden, dass jede Lokalredaktion einen eigenen Kanal hat, dann würde das nicht sofort bei jedem gut ankommen. Gerade bei den älteren Redakteuren, die nicht damit aufgewachsen sind, stößt das sicherlich auf Widerstände.

Der Twitter-Account der Kreiszeitung besteht bereits seit zweieinhalb Jahren. Das Social Media-Konzept kommt aber erst jetzt. Wie wurde das vorher geregelt?
Das Konzept vorher war: Wir müssen bei Twitter sein, wir spiegeln und wir verlinken unsere eigenen Inhalte. Das fand ich immer zu wenig. Unsere Online-Redaktion war immer recht klein und dann hieß es: „Wir müssen es haben: Macht mal!“ Ein richtiges Konzept dahinter gab es nicht. Aber wer hat schon ein richtiges Konzept dahinter? Die großen Zeitungen mittlerweile ja, aber die Lokalzeitungen? Ich sehe hauptsächlich, dass sie ihre eigenen Inhalte spiegeln und versuchen, sie weiter zu verbreiten.

Hast du vorher auch eure Social Media-Kanäle gepflegt?
Nein, da habe ich meine eigenen, privaten Accounts genutzt. Ich hatte für das Hurricane-Festival, das hier in Scheeßel ist, die Zugangsdaten für Twitter und Facebook bekommen. Dadurch sind wir ein bisschen lustiger, ein bisschen offener geworden und sind nicht mehr nur stocksteif durch Tweets wie „Wir machen endlich Feierabend um Mitternacht und trinken jetzt unser erstes Bier während die Besucher besoffen in ihren Zelten liegen“. Aber für das Hurricane-Festival haben wir nur eine Woche die Social Media-Accounts der Kreiszeitung genutzt. Aber das war gut, weil uns andere Leute auf Dinge aufmerksam gemacht haben, z.B. über Gewitter-Warnungen oder Überschwemmung eines Campingplatzes.

Du bist bei Twitter seit etwa zweieinhalb Jahren sehr aktiv. Warum Twitter?
Ich hatte einfach Lust dazu und wollte es ausprobieren.

Und jetzt auch bei Google+. Warum das auch noch?
Google+ sollte, so wie es angekündigt wurde, das große Ding sein. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass es das wird, aber ich wollte mitreden können. Als junger Journalist muss ich damit umgehen können und das ausprobieren. Bei mir ist das einfach die Neugierde, die jeder Journalist eigentlich haben sollte.

Wie hast du den Umgang mit Social Media gelernt?
In meinem Volontariat von 2007 bis 2009 war es noch kein Teil der Ausbildung. Gegen Ende des Volontariats habe ich angefangen, es zu nutzen und dann hieß es: Learning by doing, also einfach machen. Manchmal fällt man dann auch auf die Schnauze, man macht was falsch, bekommt auch Ärger, was nicht so häufig vorkam bei mir. Aber das gehört dazu.

Im Zuge des neuen Konzeptes, wäre da eine Weiterbildung für die Redaktion notwendig?
Wenn jemand seine privaten Accounts für die Arbeit nutzen soll, dann sollte es auch eine Art Workshop geben, um die internen Regeln abzustimmen. Manche müssen vielleicht auch noch an die Technik herangeführt werden. Diejenigen, die kein Smartphone  und keine Accounts haben, brauchen ein bisschen Unterstützung. Und dann einfach ausprobieren.

Ich habe gesehen, dass du kein Blog hast. Warum nicht?
Neben dem Blog auf der Seite der Kreiszeitung habe ich eine WordPress-Seite, die nutze ich aber nur als Bewerbungsseite.  Ich glaube, über Google findet man die nur nicht. Ein Blog wäre mir momentan zu viel. Ich wüsste nicht, worauf ich mich spezialisieren sollte. Im Lokaljournalismus sind die Themen einfach  zu breit. Ich habe schon einen Schwerpunkt auf Musik und Konzerte, aber ich habe noch nicht so den Dreh gefunden, worüber ich genau schreiben sollte. Ich denke, ein Blog sollte eine unverwechselbare Note haben, mit Leidenschaft geschrieben werden und eine starke Meinung vertreten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: