Zeitungen 2.0 oder Journalisten vs. Blogger?

Online first oder print first? ist eine Frage, die immer noch beschäftigt. „Der Kunde kommt zuerst“  sagte Meinolf Ellers, Geschäftsführer der dpa-infocom am vorgestrigen Dienstag im Julius-Leber-Forum. Und wer diesen Fokus habe, hat auch viele Möglichkeiten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Hamburg hat zur Diskussion über „Zeitung 2.0 – Herausforderungen an den digitalen Journalismus und dessen Finanzierung“ eingeladen. Neben Ellers sprach die Journalistin Birthe Kretschmer mit Christian Röpke, Geschäftsführer von Zeit Online, und Ralf Wiegand von der Süddeutschen Zeitung. Dabei kam das Gespräch auf eine weitere andauernde Frage: Welche Auswirkung haben Blogs und Social Media auf den Qualitätsjournalismus?

Meinolf Ellers sieht vor allem die Regional- und Lokalzeitungen in der Pflicht, sich stärker zu vernetzen. „Wir moderieren die lokale Lebenswelt“, meint der dpa-infocom-Geschäftsführer. Dafür benötige man ein Netzwerk und eine Plattform, offline wie online. Ganz anders sieht das Ralf Wiegand. Der Leiter des Hamburg-Büros der SZ versteht sich nicht als Dienstleister, sondern eher im klassischen Sinn als Beobachter: „Ich kann nicht alle Wünsche der Leser berücksichtigen.“ Der „bekennende Printmann“ sieht die Internetseite als einen Auftritt, der auf der Marke der Münchener Zeitung aufbaut.

Da anzufangen, wo andere Medien – auch online – das Interesse verlieren, sei das Ziel der Süddeutschen. Gut recherchierte und exklusive Nachrichten: „Zeitung hat eine höhere Haltbarkeit, auch von den Inhalten her.“ Daneben sei der Alltag der SZ-Redaktion, und damit keine Ausnahme zu den anderen, crossmedial geworden. Dennoch ist Wiegand der Meinung, dass „Journalismus sich in seiner Grundform und seinen Grundwerten nicht verändern wird.“

Einer ähnlichen Meinung  ist Christian Röpke von Zeit online. Der Geschäftsführer betonte, dass im Netz die gleichen Werte wie beim Print gelten würden. Auch die Zeit online profitiere von der Marke. Zudem könne man aber die Stärken des Netzes ausnutzen. Mit interaktiven Infografiken kann eine Form von Datenjournalismus veröffentlicht werden, die er im Print nicht leisten könne, (z.B. das ausgezeichnete Projekt „Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten“). Dazu sei die Kommunikation mit den Nutzern und Lesern ein hoher Nutzen für die Wochenzeitung.  Redakteure der Zeit würden aktiv aufgefordert, in der Online-Community und unter Artikeln mitzudiskutieren bzw. zu kommentieren.

„Blogs sind eher Quelle als Konkurrent“

Ralf Wiegand sieht in den Kommentaren eher ein Problem. Anders als bei Leserbriefen würde hier nur selten die Netiquette gewahrt. Auch in Blogs habe Wiegand wenig Vertrauen, so habe er in der Vergangenheit schlechte Erfahrung mit einem Blogger gemacht. Auf dem Podium fragte er, wie man Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit garantieren könne. Ein gutes Quellenstudium sei unabdingbar, allerdings sei die Spanne zwischen gutem und schlechtem Journalismus groß. Zudem hätten Blogger bei Quellen nicht die Möglichkeiten wie große Medienhäuser: „Für den Journalismus, für den ich stehe, sind Blogger eher Quelle als Konkurrent.“

Dagegen hält Christian Röpke die Kommentare unter den Artikeln und Blogs für eine Bereicherung: „Das ist die Welt, der wir uns stellen müssen.“ Wichtig sei es, offen und transparent zu agieren. Wenn es einmal Probleme mit einem Blog gebe, sollte lieber zunächst der Beitrag kommentiert werden, bevor rechtliche Schritte eingelegt würden. Den Strom an potenziellen Quellen will Zeit online zukünftig mit einem Social Media Newsroom selektieren und überprüfen.

Meinolf Ellers schätzt das Feedback der Leser, das es bis vor wenigen Jahren in der Form noch nicht gab und will dem Leser auf Augenhöhe begegnen. Aber auch er gibt zu bedenken, dass Blogger ohne großes Medienhaus im Hintergrund nicht zwangsläufig unabhängig seien. Das sei eben nicht dasselbe wie wirtschaftliche Sicherheit und wenn diese fehle, sei die Unabhängigkeit in Gefahr. Interessant dazu auch der Einwand von Ralf Wiegand am Ende der Diskussion über Journalisten der Online-Redaktion. Die wären schlechter bezahlt als ihre Kollegen des gedruckten Formats.

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